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Janet Streifler
Special Olympics Teilnehmerin, Lebenshilfe
Harzkreis-Quedlinburg gGmbH
Weddersleben
„Unsere größte Schwäche liegt im Aufgeben. Der sichere Weg zum Erfolg ist immer, es doch noch einmal zu versuchen." – Thomas Alva Edison –
„Hallo, ich heiße Janet Streifler, bin 31 Jahre alt und arbeite seit vielen Jahren in den Werkstätten der „Lebenshilfe Harzkreis- Quedlinburg“. Genauer gesagt: In der Kaffeerösterei Samocca in Weddersleben. Das ist ein Ortsteil von Thale. 

In der Rösterei tüte ich Kaffee ein oder wiege ihn. An anderen Tagen muss ich den Kaffee einpacken oder wegpacken.  Das kommt immer darauf an, zu welcher Arbeit die Gruppenleiterin mich einteilt. Morgens werde ich abgeholt und nach der Arbeit wieder nach Quedlinburg gebracht. 

Hier lebe ich mit meinem Freund Frank zusammen. Er ist zehn Jahre älter als ich, und wir haben uns bei der Lebenshilfe kennengelernt und sind seit zwei Jahren ein Paar.  Früher wog ich über 100 Kilo und hatte Schwierigkeiten beim Atmen. Sport hat mich nicht interessiert. Mittlerweile habe ich über 20 Kilo abgenommen und habe auch beim Atmen keine Probleme mehr. Das kam, weil ich dann eines Tages in Weddersleben angefangen habe, mich für Sport zu interessieren und zu trainieren.

Zuerst bin ich Rad gefahren. Das bringt mir immer noch sehr viel Spaß, und mit meinem Freund unternehme ich viele Radtouren. Wir fahren zum Beispiel nach Halberstadt oder radeln durch Quedlinburg. Richtig gut bin ich aber beim Laufen und beim Standweitsprung. Die 100 Meter renne ich oft unter 24 Sekunden. Beim Springen denke ich mir immer eine Linie, die ich überspringen will und fliege oft über einen Meter weit. 

Ich trainiere zweimal in der Woche für mindestens eine Stunde. Entweder auf dem Sportplatz Moorberg in Quedlinburg oder in einer Halle. Mit den anderen Sportlern aus unserer Werkstatt wärmen wir uns auf, machen Krafttraining und laufen, um immer besser zu werden. Da gibt es keinen Unterschied zu den „Profis“.Als ich immer besser wurde, begann ich, an Wettbewerben teilzunehmen. Das klappte super. Im Trainingslager in Malente, bei dem viele Sportler mit Handicap zusammenkamen, war der Trainer sehr mit mir zufrieden. Mit meinen Leistungen habe ich mich 2022 bei den Special Olympics Nationalen Spielen in Berlin für die Special Olympics Games qualifiziert*. 

Die fanden gerade erst vom 17. bis 23. Juni in Berlin statt. Aus unserer Einrichtung war ich aber nicht allein, Hannes Arnhold fuhr auch mit und hat beim Tischtennis mitgemacht. Er hat dann um die Bronzemedaille gekämpft und den vierten Platz belegt. 

Ich bin auch ganz schön weit gekommen. Beim Hundert-Meter-Lauf habe ich im Finale den dritten Platz geschafft und bekam eine Bronzemedaille. Im Weitsprung wurde ich mit 1,01 Meter Achte. Es hat zwar nicht für eine Medaille gereicht, aber ich habe schon früher immer gesagt: Wenn ich gewinne, freue ich mich. Wenn nicht, ärgere ich mich nicht – Hauptsache ist, dass ich dabei gewesen bin. Bevor ich nach Berlin gefahren bin, habe ich sogar Englisch gelernt, damit ich mich mit den Sportlern aus anderen Ländern unterhalten konnte. Natürlich waren mein Freund und meine Mutti stolz auf mich. Und auch die Mitarbeiter in der Kaffeerösterei haben sich gefreut. 

Jetzt überlege ich, ob ich mich vielleicht auf Triathlon konzentrieren soll: Da gibt es nämlich zwei Möglichkeiten. Entweder wir sind zu dritt und jeder übernimmt eine Disziplin: Schwimmen, Fahrradfahren, Laufen. Oder ich trete allein an und mache alles allein. Ich bin mir aber noch nicht sicher. Das ist schon eine große Herausforderung. Ich weiß aber genau, dass unsere Sporttherapeutin Anne Heydenreich mich unterstützen wird, wenn ich mich entschieden habe.

Was ich nicht vergessen möchte zu erzählen: Durch den Sport habe ich auch meine Ernährung umgestellt, verzichte auf Süßigkeiten, esse stattdessen viel Obst und Gemüse. Das ist nicht nur gesund, sondern macht auch schlank. Noch etwas fällt mir ein: Beim Laufen oder Radfahren hänge ich mittlerweile meine Mutti und Frank ab.“

Soweit Janets Bericht über ihr sportliches Leben. Angebote zur Förderung von Kreativität und sportlichen Aktivitäten sind häufig arbeitsbegleitende Maßnahmen, die auch während der Arbeitszeit für Menschen mit Behinderung in den Werkstätten stattfinden. Die angebotenen Maßnahmen und Freizeitangebote verhindern nicht nur Langeweile, sondern sind auch ein Ausgleich zur Arbeit und dienen zum Stressabbau und zur Förderung von Selbstbewusstsein. Und sie bieten die Möglichkeit für Begegnungen und Austausch auch außerhalb des Arbeitsumfeldes. 

Dazu sagt Ulrike Albrecht, Gruppenleiterin der Rösterei in Weddersleben und Vertraute von Janet Streifler: „Wir alle brauchen unsere freie Zeit ohne Verpflichtungen, dafür aber mit vielen unterschiedlichen Möglichkeiten. Deshalb bieten wir bei der Lebenshilfe ein breit gefächertes Freizeitangebot an.“

Sie nahmen ein Jahr später ebenfalls in Berlin vom 17. bis 25. Juni 2023 an den „Special Olympics World Games” teil. An den sportlichen Wettkämpfen nahmen 7000 Athleten und 3000 Trainer teil. Außerdem kamen 12.000 Angehörige, 20.000 freiwillige Helfer und 3.500 Offizielle hinzu. Neun Tage wurde in Berlin ein rauschendes Fest, von dem alle Teilnehmer noch Jahre schwärmen werden, gefeiert. Doch, ob es wirklich dazu beitragen wird, Begriffe wie „Inklusion“, „Voneinander lernen“ oder „Teilhabe“ mit noch mehr Leben zu füllen, bleibt abzuwarten. Dieses wird sicherlich nur gelingen, wenn die Politik Veränderungen auf den Weg bringt, zum Beispiel ein breiteres Sport- und Fitnessangebot für behinderte Menschen. Und es wird sich zeigen, ob die Special Olympics World Games dazu beigetragen haben, dass anstelle von Berührungsängsten ein neues Denken im Umgang miteinander eintritt. Nicht bei den behinderten, sondern bei den sogenannten „normalen“ Menschen.
* Vom 9. bis 24. Juni 2022 fanden in Berlin die Special Olympics Nationalen Spiele in Berlin statt. Eine Woche wurden unter den 4000 Athleten in 20 Sportarten, die Besten ermittelt.